Rohstoffpreise explodieren – kommt es zu einem neuen Superzyklus?

Öl ist so teuer wie seit Anfang 2020 nicht mehr, der Kupferpreis hat ein Neun-Jahres-Hoch erreicht, und Platin kostet so viel wie seit mehr als sechs Jahren nicht. Zu Beginn der Corona-Krise waren viele Rohstoffpreise in den Keller gerauscht, doch seit März vergangenen Jahres kennen sie nur noch eine Richtung: aufwärts. So hat der Rohstoffindex S&P GSCI binnen eines Jahres um beinahe 20 Prozent zugelegt.

Quelle: Onvista

Die Preise für fast alle Rohstoffe sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Im Schnitt stiegen die Kurse für Öl, Edelmetalle und Agrarprodukte seit Anfang Oktober um 28 Prozent und damit fast 50% mehr als Aktien in demselben Zeitraum zulegen konnten.

Besonders deutlich sind die Rohstoffpreise zuletzt bei Metallen gestiegen. Der Preis von Kupfer, das aufgrund seiner vielseitigen Verwendung als Konjunkturbarometer gilt, hat sich innerhalb eines Jahres in etwa verdoppelt und rangiert auf dem höchsten Niveau seit etwa neun Jahren. Das Edelmetall Platin, bekannt für seinen Einsatz in der Produktion von Autokatalysatoren, weist ähnlich starke Preiszuwächse auf. Auch der Preis von Eisenerz, aus dem Stahl gewonnen wird, ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen.

An der Spitze der Preisentwicklung steht Öl: Nach dem heftigen Einbruch durch die Corona Krise im vergangenen Frühjahr stieg der Preis für die Nordseesorte Brent erstmals seit über einem Jahr wieder auf mehr als 60 Dollar pro Barrel. Das ist allein schon in diesem Jahr ein Preisanstieg von über 20%.

Ähnlich stark ging es seit Oktober für Platin (plus 40 Prozent) und Sojabohnen (plus 33 Prozent) nach oben. Auch Mais (plus 27 Prozent) und Zucker (plus 22 Prozent) kletterten im Preis mehr als doppelt so stark nach oben wie etwa der Dax, der seit Oktober auf einen Zugewinn von rund 10 Prozent kommt.

Warum steigen die Preise so stark?

Das liegt natürlich hauptsächlich daran, das aufgrund von Corona und den damit einhergehenden Maßnahmen, die Rohstoffförderung stark zurückgegangen ist. Jetzt im Zuge der wirtschaftlichen Erholung steigt die Nachfrage nach Rohstoffen wieder stark an, insbesondere durch China. So entfallen z.B. 40% der weltweiten Kupfernachfrage auf die Volksrepublik.

Ein weiterer Grund ist sicherlich die Null Zins Politik der Zentralbanken, die damit einhergehende Inflation und einfach der Mangel an Anlagemöglichkeiten. Aktien und Immobilien sind schon viel zu teuer, Bitcoin ist reine Zockerei, daher setzten zumindest die größeren Investoren vermehrt auf Rohstoffe.

Kommt es jetzt zu einem neuen Superzyklus?

Ein Superzyklus ist ein mehrjähriger, breit angelegter und starker Preisanstieg. Der Erste dauerte von 1917 bis 1932, dem Ende der großen Depression. Der Zweite begann 1951 und endete mit dem Erdöl-Preis-Schock 1971. Der Dritte startete 1973 unmittelbar danach und fand sein Ende erst 1999. Der letzte begann mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Volksrepublik China und hielt bis 2011 an, erreichte jedoch seinen Höhepunkt im Jahr 2008.

Viele Experten rechnen jetzt wieder mit dem Beginn eines neuen Superzyklus. Ich bin da aber eher skeptisch, die Preise werden sicher erstmal noch eine Weile steigen, bis die Förderer ihre Produktion an die Nachfrage angepasst haben. Aber von einem Superzyklus zu sprechen halte ich doch noch ein bisschen verfrüht. Aber eine ganze Weile könnte es durchaus noch aufwärts gehen.

Wie kann man als Privatanleger von steigenden Rohstoffpreisen profitieren?

Als Privatanleger können man nicht direkt von diesem Trend profitieren. Die meisten Rohstoffe werden an der Börse über Terminkontrakte gehandelt, die am Ende auch die Lieferung des entsprechenden Rohstoffes – meist im Bereich von mehreren Tonnen – beinhalten. Allerdings bieten viele Banken ETC´s auf viele verschiedene Rohstoffe an. Wie man genau in ETC´s investiert habe ich hier beschrieben.

Wem das Ganze dennoch zu viel Aufwand ist, kann natürlich auch einfach in mein Wikifolio Zertifikat Rohstoffe langfristig investieren. Da nehm ich euch dann die ganze Arbeit ab. Es ist sehr transparent, d.h. ihr könnt genau sehen in welche Rohstoffe ich investiert habe, wann ich kaufe und verkaufe etc.

Warum Rohstoffpreise tendenziell steigen werden

  • Die Weltbevölkerung wächst weiter rasant. Dadurch steigt natürlich auch die Nachfrage nach Rohstoffen, was steigende Preise zur Folge hat.

 

  • Die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern und einigen Entwicklungsländern wird auch in Zukunft kräftig voranschreiten. Dadurch schließt sich die Schere zwischen diesen Ländern und den Industriestaaten weiter und die Lebensstandards gleichen sich an . Durch die Verbesserung der Standards in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen sprunghaft ansteigen.

 

  • Die Ernährungsgewohnheiten in den aufstrebenden Schwellenländern gleichen sich den westlichen Gewohnheiten an. Dies führt zwangsläufig zu einer Nachfragesteigerung bzw. Nachfrageverschiebung bei den Agrarrohstoffen. Insbesondere die Nachfrage an Fleisch dürfte in den nächsten Jahren nochmals stark ansteigen. Für dessen Produktion werden dann auch deutlich mehr andere Rohstoffe wie beispielsweise Getreide benötigt.

 

  • Viele Produzenten haben auf Grund der gesunkenen Preise ihre Investitionen zum Beispiel in neue Minen in den vergangenen Jahren zurückgefahren. Und da neue Produktionsstätten nicht von heute auf morgen hochgefahren werden können, würde bei einer anziehenden Nachfrage das Angebot kaum mithalten können.

 

  • Klima- und Wetterkapriolen werden weiter zunehmen. Was besonders bei Agrarrohstoffen zu einem geringeren Angebot und somit steigenden Preisen führen kann.

 

  • Rohstoffe sind derzeit relativ wie auch absolut betrachtet günstig. Das bedeutet auch, dass die Produzenten Rohstoffe zu Preisen verkaufen, die zum Teil unter den Herstellungskosten liegen. Daher würden bei einem weiteren Verfall wohl immer mehr Hersteller aus dem Markt ausscheiden. Damit würde die Knappheit zunehmen und der Preis wieder steigen.

 

  • Da viele Produzenten heute nahe oder unter dem Marktpreis produzieren, würden bei einem weiteren Verfall wohl immer mehr Hersteller aus dem Markt ausscheiden. Damit würde die Knappheit zunehmen und der Preis wieder steigen. Ferner haben viele Produzenten auf Grund der gesunkenen Preise ihre Investitionen zum Beispiel in neue Minen in den vergangenen Jahren zurückgefahren. Und da neue Produktionsstätten nicht von heute auf morgen hochgefahren werden können, würde bei einer anziehenden Nachfrage das Angebot kaum mithalten können.

 

  • Auch geopolitische Faktoren sollte man nicht ausser acht lassen. Sollten z.B. Konflikte im Nahen Osten oder anderswo eskalieren würden die Rohstoffpreise nach oben schießen.

 

  • Auch eine beschleunigte Geldentwertung könnte zu stark steigenden Rohstoffpreisen führen.Die übermäßige Verschuldung in Italien, den USA, Japan und vielen anderen Ländern in Verbindung mit der weiterhin expansiven Geldpolitik der Zentralbanken könnte theoretisch jederzeit einen Dominoeffekt samt galoppierender Inflation auslösen. Gerade die Gold- und Silberpreise werden dann natürlich stark steigen.