Größte Öl Förderkürzung aller Zeiten – warum der Preis trotzdem fällt

Nach harten, tagelangen Verhandlungen haben sich die 23 Opec Mitglieder und andere Ölförderländer auf die wohl größte Förderkürzung in der Geschichte geeinigt. Mit dieser als historisch geltenden Drosselung der Ölförderung versuchen sich wichtige Förderländer gegen einen weiteren Preisverfall zu stemmen. So hat der Ölpreis seit Beginn der Corona Krise um mehr als 50% nachgegeben und ist jetzt sogar wieder unter die 30$ Marke gefallen.

1,4 Milliarden Liter weniger pro Tag

So sollen ab Mai pro Tag fast 10 Millionen Barrel pro Tag weniger gefördert werden. Das entspricht in etwa 10% der gesamten Fördermenge. Diese Kürzung gilt für Mai und Juni. Von Juli bis Jahresende werden es -7,7 Mio pro Tag sein, und für die darauf folgenden 16 Monate werden es 5,8 Mio Barrels pro Tag sein.

Geringeres Angebot = höhere Preise?

Normalerweise müssten doch jetzt die Preise wieder anziehen, oder? Ein geringeres Angebot führt zu höheren Preisen. Angebot und Nachfrage bestimmen schließlich den Preis, das lernt jedes Kind in der Schule. Das genau ist der casus knaxus, die Nachfrage nach Öl ist nämlich durch Corona und den damit verbundenen Stillstand der Wirtschaft deutlich stärker eingebrochen. So liegt die Menge Öl die zur Zeit täglich benötigt wird um geschätzt ca. 35 Mio. Barrel niedriger als vor der Corona Krise. Die gekürzte Menge reicht also bei weitem nicht aus um die geringere Nachfrage auszugleichen. Und auch die Lager sind mittlerweile voll, so dass täglich weit mehr Öl auf die Märkte kommt als gebraucht wird. Folglich ist eher von weiter sinkenden Preisen auszugehen.

Und nach der Krise?

Irgendwann wird auch die Wirtschaft wieder anziehen und es wird wieder mehr Öl gebraucht, so dass die Preise wieder steigen werden. Nur kann das im Moment noch niemand abschätzen wann das sein wird. Ich habe jedenfalls den niedrigen Ölpreis genutzt und sowohl privat, als auch im Wikifolio massiv in Öl investiert und werde bei weiter fallenden Kursen nachkaufen. So kostet Öl ja zur Zeit so wenig wie vor fast 20 Jahren und ist über 70 % günstiger als der absolute Höchstpreis der im April 2011 erzielt wurde.

Chaos im erdölreichsten Land der Welt – Wie wirkt sich das auf den Ölpreis aus?

Kein Land verfügt über größere Ölreserven als Venezuela. Nicht Saudi-Arabien, nicht die USA, nicht Russland. Unter dem Territorium des kleinen südamerikanischen Landes liegen geschätzte 303 Milliarden Barrel Öl.

Erdölreserven nach Ländern

Demzufolge müsste Venezuela eigentlich eins der reichsten Länder der Welt sein. Trotzdem liegt es jetzt am Boden. Warum ist das so? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Sozialismus. Jahrzehntelange Misswirtschaft, Korruption, Vetternwirtschaft und fehlende Investitionen in die Erdölförderung haben dazu geführt dass mittlerweile nur noch 1 Mio. Barrel pro Tag gefördert werden. Das ist der niedrigste Stand seit 50 Jahren. Zum Vergleich: Saudi Arabien fördert pro Tag mehr als 10 Mio. Barrel.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf den Ölpreis?

Um es kurz zu sagen, es kommt darauf an. Darauf wie sich die Situation in Venezuela weiter entwickelt. Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar.

Sollte Maduro noch längere Zeit um seine Macht kämpfen, könnte das zu langanhaltenden Unruhen und damit zu einem fast völligen Erliegen der Wirtschaft führen.

Schlimmer noch: Wenn der Konflikt eskaliert und Venezuela als Exporteur ausfallen sollte, dann droht eine Angebotsverknappung, die, zumindest kurzfristig, auch wieder 3 stellige Preise zur Folge haben könnte. Allerdings könnten die anderen Opec Staaten sowie die USA und Russland diese fehlenden 1 Mio. Barrel aus Venezuela problemlos ausgleichen, so dass Preise über 100$ wohl nicht lange Bestand hätten.

Sollte es hingegen tatsächlich zu Neuwahlen in den nächsten Monaten kommen bei denen ein demokratischer gewählter Präsident die Macht übernimmt, sollte das dem Land Stabilität verleihen. Mit Hilfe ausländischer Ölkonzerne könnte dann die Produktion wieder zügig hochgefahren werden. Dann gibt es am Ölmarkt wieder ein Überangebot und die Preise fallen.

Allerdings halte ich dieses Szenario für nicht sehr wahrscheinlich. So schnell werden sich die „Chavistas“ nicht geschlagen geben, zumal sie über sehr mächtige Verbündete (Russland, China, Iran) verfügen. Es ist daher anzunehmen dass dieser Konflikt auf die eine oder andere Weise noch eine ganze Weile anhalten wird.

Fazit

Wer jetzt in Öl investiert ist sollte die Positionen halten und Gewinne laufen lassen. Von einem Neuanstieg auf dem derzeitigen Niveau rate ich allerdings ab. Ich werde, auch in meinem Wikifolio Rohstoffe langfristig ,erst ab Preisen von unter 50 ein neues Investment in Öl in Betracht ziehen.